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Ausstellung in der Berner
Galerie 365 x 100 - das bedeutete ganz am Anfang des Projektes, während einem Jahr jeden Tag ein Objekt aus 150 g Rehag-Ton zu schaffen, das nach dem Brennen 100 g wiegt. Walter Geissberger hat diesen Ton trotz der relativ schlechten Qualität - die grobkörnigen Kalkpartikel können die Oberfläche sprengen - gewählt, weil die Rehag-Tongrube in seiner Kindheit ein wichtiger Erlebnisort war. Die Idee entstand aus der anthroposophischen Ergotherapie, in der einfache geometrische Körper geformt werden und so heilend wirken, hier jedoch zusätzlich zu „Fingerübungen“ wurden; erst danach folgten verschiedenste Themen wie Nahrungsmittel, Toilettenartikel, Werkzeug, Mensch und Kunst. Sie stehen in einem bestimmten Bezug zum Alltag, so zum Beispiel die Abfolge der 7 Getreidesorten, die je einem Wochentag zugeordnet werden, aber auch in der makrobiotischen Ernährung wichtig sind. Durch ihr gleichbleibendes Gewicht und die dadurch verzerrten Grössenverhältnisse beanspruchen einzelne Objekte plötzlich eigenwillige Bedeutungen: die riesige Zahnbürste fordert die meditative Bewegungsabfolge der 108 Kniebeugen heraus. Sie wird in das Thema der Reinigung eingebettet, so erhalten „banale“ Alltagsgegenstände zusätzliches, geistiges Gewicht. |
Allein schon durch den Arbeitsprozess spielen die 4 Elemente eine zentrale Rolle: Hitze verwandelt den elastischen, weichen, grauen Lehm in eine brüchige, harte, rötliche Masse. - Die Elemente finden sich als plastische Objekte wieder, aber auch in Form von Nachbildungen der vier Grundmuster der Tarot-Karten: das Schwert steht für Luft, der Stab für Feuer, der Kelch für Wasser und die Münze für Erde. Die Astrologischen Häuser befassen sich mit anderen, weniger konkret fassbaren Zusammenhängen zwischen Kosmos und Leben; die Dualobjekte schliesslich zeigen grundsätzliche, immerwährende Spannungen auf. Aus dem ersten Arbeitsschritt, dem Kneten der 150-Gramm-Portion, entwickelten sich zufällige Formen, die durch Metamorphose zunehmend an bestimmtem Ausdruck gewannen, aber auch die 108 Fäustlinge, welche sich nun zur Urform der Spirale fügen. Damit steht das Werk ganz auf der Erde: die Forderung, stur jeden Tag ein Objekt zu schaffen, erwies sich als zu streng, einengend und hemmend, und so enstanden die Würste, die als scheinbare Notlösung tieferen Sinn erhalten: sie verdeutlichen, dass die ganze Ausstellung ein Gesamtwerk ist, das sich über zwei Jahre der Entstehung stark verändert und entwickelt hat, lebendig geworden ist, visuell nun unerwartet auch mit der neuen Farbe der letzten Tonportionen! Marianne Burki, Mai 1994 |