Quadrinity
|
Info für die Weihnachtsausstellung 2004/05 Walter Capramontes, eigentlich Walter Geissberger, 1947, ist bei aller Vielfalt seines gestalterischen Wirkens Bildhauer, der mit den klassischen Materialien Stein, Bronze, Aluminium und Holz arbeitet. Walter Capramontes‘ Tätigkeit als Kunstpädagoge an der Schule für Gestaltung Bern und Biel konzentriert sich auf das Fundamentale der traditionellen Gestaltung wie Natur- und Proportionslehren, Farbtheorien und Materialkunde. Die freie künstlerische Arbeit äussert sich in Werkzyklen. Markant die seit 1992 entstandenen Gruppen mit der Bezeichnung „Quantitätsserien“. Aus exakt abgewogenen, faustgrossen Tonklumpen von jeweils 150 Gramm Gewicht werden Kleinplastiken geschaffen. Vor uns entsteht eine Welt von Architekturmodellen bekannter Gebäude, wir sehen Gemüse, welches wir täglich essen, und man realisiert menschliche Figuren in Bewegungsphasen sowie Formfragmente. Diese kleinen Objekte aus gebranntem Ton werden enzyklopädisch in perfekt ausgeführten Schaukästen präsentiert. Thematisiert wird die Metamorphose, und deutlich wird in Capramontes Schaffen das Einfliessen surrealistischer Methoden. Ganz heiter, sinnlich und amüsierend, mutet eine weitere grosse Werkgruppe an, nämlich die Objekte, die Objets trouvés. Virtuos kombiniert werden die auf den Reisen und vor dem Haus gefundenen Dinge wie Holzräder, Schuhleisten, Kämme, Federn, Muscheln, Armaturen, Schrauben, ausgetrocknete Eulen- und Krähenbeine und verrostete Werkzeuge zu Plastiken, die unter Einbezug des Werktitels unvermutete und oft auch ironische Konstellationen ergeben. |
Walter Capramontes Kreativität führt immer zu Untersuchungen, die in Themen münden. Das 4-teilige Werk „Quadrinity“ aus dem Jahre 2004 bestätigt die generellen Intentionen des Künstlers, führt uns aber auch in seine private und emotionale Welt. Hier lebt und erlebt der Gestalter therapeutische Prozesse, baut fiktive Beziehungsmuster auf, die positiv sein plastisches Arbeiten beeinflussen und leiten. Beim Werk „Quadrinity“ wird Materielles durch Farbe und Licht ergänzt; im Sinne der Dialektik werden die Beziehungen „Kunststoffplastik“ zur „Dreidimensionalplastik“, beinhaltend den Doppelbegriff „Plastik“, und „Fundgegenstand“ zu „Kunstgegenstand“, verweisend auf den Begriff „Wandlung“, untersucht. Es entstehen Synthesen, wenn in den vier Objekten schwarzes Fundmaterial vom Strassenrand zu „Strassenrandschwarz“, weisser Gebrauchsplastik der Küche zu „Küchenweiss“, bunte Sandkastenspielzeuge zu „Sandkastenbunt“ und transparente Verpackungsschachteln zu „Schachteltransparent“ werden. Das führt zum Spiel der Formen und Materialien, das Einzelobjekt korrespondiert mit den benachbarten, und die Ausstrahlung des 4-teiligen Ensembles schafft eine gewünschte Gegenwelt zur Systematik des konstruktiven Aufbaus. Klaus F. Pressmann, 28.10.2004 |